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Erste Owinger Musiktage

02.03.2018

Erste Owinger Musiktage vom 2. bis 4. März 2018 im kultur|o

Vom Barock zum Tango
1. Owinger Musiktage waren ein voller Erfolg

Zwischen 1876 und 1915 gab es in Argentinien eine so große Einwanderungswelle, dass die Anzahl der Bevölkerung auf das Doppelte anwuchs. In ihrem Reisegepäck brachten die Immigranten Hoffnungen, Erwartungen, Freude, Unsicherheiten, Ängste mit. Sie begegneten fremden Kulturen, ungewohnten Mentalitäten, einem unbekannten Land. Argentinien wurde zu einem Sammelbecken unterschiedlichster Nationen, unterschiedlichster Begegnungen und vieler Emotionen.
Diese gewaltigen Empfindungen verschmolzen in einem Musik- und Tanzstil, der die Illusionen, die Verheißungen, Leid und Schmerz, die Melancholie, die Liebe ausdrückte: der Tango. Der Tanz wurde wegen seiner erotischen Ausstrahlung verboten. Die Musik gefiel. Jahrzehnte später wurde sie durch den Argentinier Astor Piazzolla reformiert - eine Änderung, die Widerstand hervorrief: Der Komponist durfte in seiner Heimat einige Zeit nicht auftreten.
Bei den 1. Owinger Musiktagen ließen Martin und Lida Panteleev am Samstagabend mit Nikola Milo, einem der meist geschätzten Bandoneonspieler seiner Generation, den Geist Astor Piazzollas und die Seele des Tangos lebendig werden. So, wie sich beim Tanz ein Paar begegnet, um einander wirbt, kokettiert, sich nähert, entfernt, Intensität, Leidenschaft, Sinnlichkeit ausstrahlt, übernahmen auf der Bühne diese Rolle Geige und Flügel, Violine und Bandoneon. Kein gezähmter Tango war da zu hören, sondern Leidenschaft, die den Atem stocken ließ. Das Temperament, die Emotionalität des Spiels rissen das Publikum im kultur|o mit. Nikola Milo huldigte verträumt, ekstatisch, hingebungsvoll dem Bandoneon, das so sehr mit Argentinien assoziiert wird und doch ein deutsches Musikinstrument ist, von Auswanderern in das ferne Südamerika gebracht, benannt nach dem Musikalienhändler Heinrich Band.
Liebe, Leidenschaft und die Rivalität zweier Männer um eine Frau waren möglicherweise der Grund, warum Ludwig van Beethoven seine Sonate in A-Dur op. 47 umbenannte. Ursprünglich trug sie den Namen des 24-jährigen Geigers George Bridgetower, der das Stück als Erster spielte. Doch nach einer Auseinandersetzung mit dem englischen Musiker widmete Beethoven die Sonate Rodolphe Kreutzer. Der Franzose dankte es ihm nicht, statt dessen erklärte er sie für unspielbar. Dass er sich mit dieser Einschätzung irrte, das bewies Martin Panteleev gemeinsam mit dem Pianisten Derek Han. Virtuos und unter „Bravo”-Rufen der Zuhörer widerlegte der Geiger bei der Auftaktveranstaltung des Festivals am Freitagabend Kreutzers Behauptung. Zuvor hatten Martin Panteleev und die Bodensee Kammersolisten Viliana Bobeva (Violine), Mladen Stoyanov (Violine), Maria Manassieva (Bratsche), Thomas Walter (Cello) und Alexandrina Peshev (Bass) „Eine Kleine Nachtmusik” gespielt, die zu Lebzeiten ihres Komponisten Mozart wahrscheinlich nie aufgeführt wurde.
Frédéric Chopins Klavierkonzert No. 1 op. 11 e-Moll beendete den ersten Festivalabend. „Es ist eines der schwierigsten romantischen Konzerte”, sagte Martin Panteleev. Doch die Streicher und Derek Han meisterten die Herausforderung problemlos. So sanft, so feinfühlig glitten die Hände des Pianisten im zweiten Satz (Romance - Larghetto) über die Tasten, dass man unwillkürlich ins Träumen geriet und es schien, als ob die Seele des Zuhörers sich aller Beschwernis entkleidete. Geige und Piano verstanden sich „wortlos”; man spürte, dass zwischen Martin Panteleev und Derek Han eine enge Verbundenheit besteht. Beide Musiker lernten sich vor 20 Jahren in der Carnegie Hall kennen, wo der Geiger Konzertmeister bei Justus Frantz war. Derek Han, einer der führenden amerikanischen Pianisten, war extra wegen der Musiktage von Florida nach Owingen gekommen. Er ist Gastspieler an den wichtigsten Konzerthäusern wie zum Beispiel New York, London, Moskau, Paris, Peking. „Doch für Sie”, wandte sich Martin Panteleev an die Zuhörer, „bedurfte es keines Fluges nach Tokio, um Derek Han zu hören.” Mit den Owinger Musiktagen erfüllte sich ein Traum des Geigers. Nie habe er geglaubt, dass er sich erfüllen würde. Die Vision seiner Frau Lida habe sich bewahrheitet. Er dankte in diesem Zusammenhang nicht nur ihr, sondern Andrea Benz stellvertretend für den Owinger Kulturkreis.
Nicht enden wollender Applaus beschloss die ersten beiden Festivalabende im kultur|o.
Der dritte Tag stand im Zeichen der Jahreszeiten, wie sie Vivaldi und Tschaikowski vertonten. Strahlend begrüßte die Pianistin Lida Panteleev in einem wunderschönen Kleid das Publikum: „Ich danke Ihnen, dass Sie Teil von diesem besonderen Erlebnis der Owinger Musiktage sind. Ich hoffe, dass es eine lange Tradition werden wird.” Die Zuhörer erfuhren, dass Vivaldi jeder seiner Vier Jahreszeiten ein Sonett, ein Gedicht vorangestellt hatte, in dem er die Musik beschreibt. „Wir beginnen mit dem Frühling”, sagte Lida Panteleev und zitierte Vivaldi: „Der Frühling ist gekommen, und festlich begrüßen ihn die Vögel mit frohem Gesang. Und die Quellen zum Säuseln der Zephiretten fließen mit süßem Gemurmel.” Martin Panteleev ließ die jeweilige Passage auf seiner Geige erklingen, um dem Publikum zu zeigen, wie Vivaldi den Text musikalisch übersetzte. Schließlich spielte das Ehepaar gemeinsam mit den Bodensee Kammersolisten das komplette Einzelkonzert. Dem barocken Stück ließen die Panteleevs den Frühling der romantischen Jahreszeiten Tschaikowskis folgen. Die Pianistin berichtete, wie sie und ihr Mann das Werk des russischen Komponisten für die Aufführung bearbeitet hatten. „Das ist eine Familiengeschichte”, lächelte sie. „Ich erzähle das, weil ich hoffe, dass wir alle eine Familie der Owinger Musiktage werden.”
Dem Frühling folgten Vivaldis Sommer und Herbst, um wieder von Tschaikowski ergänzt zu werden. „Das ist die einsamste, traurigste und schönste Melodie”, sagte Lida Panteleev. „Wie unterscheiden sich doch diese beiden Sichtweisen: der Herbst bei Vivaldi und bei Tschaikowski.” In der Gegenüberstellung zeigte sich deutlich die sinnenfrohe barocke Interpretation Vivaldis, furios, mitreißend, großartig wiedergegeben von Martin Panteleev, gegenüber der ernsten, schwermütig wirkenden Wahrnehmung des Romantikers Tschaikowski.
Nach zwei Stunden und einem frenetischen Beifall verabschiedeten sich Lida und Martin Panteleev sowie die Bodensee Kammersolisten mit Vivaldis Sommer als Zugabe von einem begeisterten Publikum. Viele von den zahlreichen Besuchern hatten die Chance ergriffen, an allen drei Tagen in das Owinger „Festspielhaus” kultur|o zu kommen, um hervorragende Musik von Weltkünstlern zu genießen. Dass es ein so erstklassiges Angebot in ihrer Nähe gibt, das überraschte und beeindruckte viele Gäste, die extra nach Owingen gefahren waren. Eine Zuhörerin war so ergriffen von Lida Panteleevs Spiel am Flügel, dass sie ihre „aufgegebenen Klavierübungen wieder aufnehmen” werde, sagte sie voller Ehrgeiz und Freude.
In seinem Grußwort hatte Bürgermeisters Henrik Wengert darauf hingewiesen, dass Lida und Martin Panteleev „ein ähnliches Format schon seit vielen Jahren in der Stadt Barth an der Ostsee durchführen.” Es sei nun an der Zeit, dass auch der Süden Deutschlands in diesem Bereich nachzieht, sagte Henrik Wengert schmunzelnd. Er dankte in diesem Zusammenhang dem Owinger Kulturkreis für sein Engagement.
Ohne Sponsoren wären die drei Tage musikalischen Hochgenusses nicht möglich gewesen. Der Kulturkreis dankt sehr herzlich der EnBW Baden-Württemberg AG, der Sparkasse Bodensee, den Innovendia Consulting Services, Zahntechnik Weber, dem Planungsbüro Gfrörer sowie der Firma Würth.
Ein großer Dank ergeht außerdem an die Harmonika-Freunde sowie an das Kinder- und Jugendhaus Am Guggenbühl für das grandiose Büffet, an Hausmeister Julian Ehrlich und an den Owinger Gemeinderat. Der größte Dank jedoch gilt dem fantastischen Publikum, dem das Festival sichtbar und hörbar Spaß machte und das für die 2. Owinger Musiktage 2019 schon jetzt herzlich eingeladen ist.

Angelika Thiel

(Bilder: Klaus Schielke)

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