Gemeinderat

Die nächste öffentliche Gemeinderatssitzung findet im Bürgersaal des Rathauses Owingen statt

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Di., 10.07.2018

18:30 Uhr

 

News :: Infos

Wissenswertes vom Heinz-Sielmann-Weiher (43) und vom Biotoverbund Bodensee (BVB) allgemein

Jahresbericht 2016 – es gibt in Hülle und Fülle Interessantes! Das Jahr stand im Zeichen einer großangelegten Vogel-Beringungsaktion, und die brachte viele erfreuliche, aber auch eine ganze Reihe sehr schockierender Ergebnisse.

So konnte am 21. April ein Meisengimpel beringt werden – Vogelart 180 an unserem Weiher. Er brütet in Ostasien, und unser Besucher ist sicher ein Gefangenschaftsflüchtling, zumal er einen Plastikring trug. Die Beringungskampagne im August mit insgesamt 1392 beringten Individuen von 43 verschiedenen Arten ergab vor allem folgende Besonderheiten: reichlich 600 Rauch-, 23 Mehl- und 14 Uferschwalben, über 300 Teich-, 24 Schilf- und 3 Drosselrohrsänger, 74 Feldschwirle, 14 Blaukehlchen, 12 Dorngrasmücken, 11 Wendehälse, 7 Nachtigallen, 1 Rohrschwirl und 1 Zwergdommel. Deutliches Abbild des allgemeinen Niederganges unserer Singvogelwelt war, dass von ehedem sehr häufigen Arten nur ganz wenige beringt werden konnten – so nur 2 Braunkehlchen, 2 Gartenrotschwänze, 1 Baumpieper und 1 Klappergrasmücke, und von den früher ebenfalls häufigen Arten Grauschnäpper, Trauerschnäpper und Waldlaubsänger gar kein Individuum. Dementsprechend wurden 2016 zwar so viele Vogelarten im Weihergebiet beobachtet wie in keinem Jahr zuvor – nämlich 132, aber die Anzahl brütender Arten lag mit nur 69 relativ niedrig – es fehlten als Brutvögel erstmals seit langer Zeit Grauspecht, Wendehals, Neuntöter, Fitis, Klappergrasmücke, Grauschnäpper und Kernbeißer! Eine ganz besondere Beringung gelang dann noch im Oktober: von einer nordischen Ringdrossel – wohl auf dem Zug von Skandinavien nach Nordafrika. Hier als Anmerkung für Nichteingeweihte: Für die Beringung – eingeführt von der Vogelwarte Rossitten 1903 und heute in allen Ländern der Erde praktiziert – werden Vögel unversehrt in hauchdünnen Kunststoffnetzen gefangen und gleich nach der Beringung wieder in die Freiheit entlassen.
Es ist höchst erstaunlich, wieviele Tausende von Vögeln unser Weihergebiet neben Brutvögeln und Nahrungsgästen aus der Umgebung (durchschnittlich z. Z. insgesamt rund 260 Paare pro Jahr) inzwischen als Rastplatz auf dem Weg- und Heimzug nutzen – ihre Anzahl soll heuer näher bestimmt werden.
Seit Dezember gibt es am Weiher vier neue Schilder, die Bekanntes verdeutlichen, nämlich Bade- und Begehungsverbot des Geländes außerhalb des Weges, aber Neues hinzufügen: das Verbot, bei Gefrieren die Eisfläche zu begehen oder zum Schlittschuhlaufen zu nutzen. Manche werden das bedauern, aber diese Maßnahme braucht einer zum Überleben: unser Biber mit seiner inzwischen mehrköpfigen Familie. Stundenlange Unruhe auf dem Eis und besonders im Bereich seiner Burg im östlichen Weiher würde die Tiere veranlassen, immer wieder unter die geschlossene Eisdecke zu tauchen, da sie ins gefrorene offene Land nicht flüchten können, und unter dem Eis würden sie früher oder später elendiglich ersticken und später dann ihre Kadaver im Weiher verrotten. Das kann niemand wollen, Tierfreunde ohnehin nicht, aber mehr auf Winterfreuden Eingestimmte auch nicht, und zudem ist der Biber streng geschützt, sodass Vorsorge obligatorisch ist. So müssen wir in dieser Hinsicht zurückstecken. Ein Lichtblick: Bis zum nächsten Winter gibt es vielleicht bei den großen Pappeln in Richtung Seefingen eine neue große Flachwassermulde, die im Winter von Klein und Groß zum Eislaufen genutzt werden könnte – die Gemeinde und die Sielmann Stiftung arbeiten gemeinsam daran!
Zum Biotopverbund Bodensee: Noch in diesem Winter beginnen die Bauarbeiten für den neuen Weiher bei Rielasingen – die Ausschreibung erfolgte noch zu Jahresende 2016. Und zum Projekt „Jeder Gemeinde ihr Biotop“: Die Kampagne für ganz Deutschland startet ebenfalls noch in diesem Winter – nämlich im Februar in Frankfurt, und zwar mit einem ersten Arbeitstreffen mit Vertretern der Bundesländer, die gleich von Anfang an mit dabei sein werden.
Als nächstes steht dann wieder die Krötenwanderung ins Haus. 2016 konnten die fleißigen Helferinnen und Helfer dankenswerter Weise insgesamt fast 3800 Amphibien sicher über die Straße bringen, darunter auch drei der nur wenig wandernden Laubfrösche. Nun warten wir auf eine gute Saison 2017 und ein weiteres spannendes Jahr im Weiherbereich.

Peter Berthold

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