Gemeinderat

Die nächste öffentliche Gemeinderatssitzung findet im Bürgersaal des Rathauses Owingen statt

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Di., 16.10.2018

18:30 Uhr

 

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Wissenswertes vom Heinz-Sielmann-Weiher (39) und vom Biotoverbund Bodensee (BVB) allgemein

Wie die Zeit vergeht! Kurz vor meiner Emeritierung – 2003 – hatte ich geplant, in meinem Ruhestand im Bodenseeraum in einem Modell-Projekt ein 1988 entwickeltes Konzept zu realisieren:

Wiederbelebung der Artenvielfalt durch Renaturierung. So entstand in Gesprächen mit meinem väterlichen Freund Heinz Sielmann, seinen damaligen Stiftungsräten und vor Ort mit Thomas Hepperle, Johann Senner und anderen die Idee, einen Biotopverbund Bodensee zu gestalten. Im März 2005 erschien dann in unseren Ortsnachrichten der erste Bericht über das inzwischen fertig gestellte Starter-Projekt in der Rubrik „Neues vom Billafinger Weiher“, der dann im Juni 2005 „Heinz-Sielmann-Weiher“ getauft wurde. Inzwischen sind seit den ersten praktischen Arbeiten am BVB 2004 zehn Jahre vergangen – und damit begeht unser Biotopverbund heuer sein 10-jähriges Jubiläum. Das soll gebührend festlich begangen werden – Grund dafür gibt es ausreichend. Inzwischen sind in einer Gebietskulisse von rund 500 km2 in 17 Projektgebieten (Gemeinden) von Büßlingen an der Schweizer Grenze im Westen bis ins Deggenhauser Tal im Osten sowie bei Pfullendorf im Norden 81 Teilprojekte umgesetzt worden, für die bisher über vier Millionen Euro investiert wurden, etwa zur Hälfte von der Heinz Sielmann Stiftung, zum anderen v. a. von Plenum, der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg, verschiedenen Gemeinden sowie aus einer Reihe von privaten Direktspenden. Am 16. März findet im Anschluss an die jährliche Kuratoriumssitzung des BVB – diesmal im Rathaus in Owingen – sowie an die der Heinz Sielmann Stiftung Schweiz (in Überlingen) die Hauptfeier statt, und zwar am Walpertsweiler Weiher bei Bonndorf und anschließend in der „Neuen Gerbe“ in Billafingen. Am späten Nachmittag wird der im Sommer 2012 wieder reaktivierte ehemalige Walpertsweiler Weiher des Heilig-Geist-Spitals Überlingen und spätere Salemer Klosterweiher auf den Namen „Inge-Sielmann-Weiher“ getauft. Der Weiher hatte von 1592-1743 existiert und war dann bis auf „verräterische“ Flurbezeichnungen wie „Weiherbühl“ völlig in Vergessenheit geraten, bis eine Studentin aus Österreich bei einer Studie über ehemalige Stillgewässer im Bodenseeraum wieder auf ihn aufmerksam machte. Er soll nun als Pendant zum Heinz-Sielmann-Weiher in Billafingen die großen Verdienste von Frau Inge Sielmann um die laufende Weiterentwicklung des BVB würdigen. Die Taufe wird Frau Oberbürgermeisterin Sabine Becker, Überlingen, vornehmen, und anlässlich der Feier wird Herr Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Grußworte sprechen. Anschließend findet für rund 120 geladene Gäste eine abendliche Festversammlung in der „Neuen Gerbe“ statt.  

Schon nach wenigen Jahren hatte sich gezeigt, dass der BVB richtungsweisenden Modellcharakter besitzt, v. a. im Hinblick auf die beabsichtigte Wiederbelebung der Artenvielfalt. Darüber ist in den vorangegangenen einschlägigen 38 Berichten in den Ortsnachrichten ausführlich referiert worden. Die einzigartige Erfolgsgeschichte v. a. des Heinz-Sielmann-Weihers hat sich auch 2012 fortgesetzt. Wie berichtet, waren in den 30 Jahren vor Einrichtung des Weihers in seinem Bereich 115 Vogelarten festgestellt worden, von denen dann bis 2004 14 Arten als Brutvögel verloren gingen. Mit Einrichtung des Weihers und seines renaturierten Umfeldes kam die Wende: Bis 2011 stieg die Anzahl der beobachteten Arten auf nunmehr 171 an, und 10 davon waren neue Brutvögel. 2012 kamen 2 weitere neue Arten hinzu – Weißwangengans und Rohrschwirl, und der erstmals dort brütende Zwergtaucher erhöhte die Brutvogelanzahl auf 11. Heute brüten im Weiher-Gebiet und in der näheren Umgebung alljährlich rund 70 Vogelarten, vor zehn Jahren waren es nur etwa halb so viele.  

Viele Besuche von Interessenten, Führungen, v. a. aber Fernseh-Sendungen und insbesondere der wunderbare Film von Christian Herrmann vom BR „Von Äpfeln, Wildgänsen und Teichrohrsängern“ hat mit der Verbreitung unseres Mottos „Jeder Gemeinde ihr Biotop“ das BVB-Projekt in ganz Deutschland bekannt gemacht. Die Resonanz ist höchst erfreulich: Wir sind nunmehr nicht nur aufgerufen, unsere Ideen auf Baden-Württemberg auszudehnen, sondern auch Schritt für Schritt in anderen Bundesländern Fuß zu fassen, so in Bälde in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen, und mit weiteren Ländern sind wir im Gespräch. So dürfen wir sehr gespannt sein, was die nächsten zehn Jahre Biotopverbund alles bringen werden.  

Peter Berthold

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