Gemeinderat

Die nächste öffentliche Gemeinderatssitzung findet im Bürgersaal des Rathauses Owingen statt

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Di., 16.10.2018

18:30 Uhr

 

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Wissenswertes vom Heinz-Sielmann-Weiher (29)

Nun hat Billafingen eine ausgesprochen liebenswürdige „Neubürgerfamilie mit Migrationshintergrund“: den Weißstorch – Freund Adebar. :

Die ehemalige Bedeutung des Zweitnamens als „Sumpfgänger“ wurde alsbald in „Glücksbringer“ umgedeutet, v. a. auch in „Kinderbringer“, sodass die Herzen der Frauen und Kindergärtnerinnen unserer Gemeinde ob des zu erwartenden Nachwuchses bzw. der garantierten Vollbeschäftigung nun höher schlagen können.  

Dass sich in der heutigen Zeit ein solcher Großvogel noch neu bei uns ansiedeln kann, verdanken wir der Initiative unermüdlicher Vogelschützer. Bis gegen Ende der 1950er Jahre hatten wir in Deutschland noch einen recht stabilen Storchenbestand mit Tausenden von Brutpaaren, davon auch in Baden-Württemberg von etwa 250 Paaren. Dann ging es rasch bergab – bei uns gegen Null – und in der Schweiz sowie in einigen unserer Bundesländer starben die freilebenden Störche ganz aus – in Dänemark fiel der Bestand von etwa 4000 Brutpaaren um 1890 auf nur noch 3 im Jahre 1997!  

In der Schweiz begann 1948 mit Max Bloesch die Gegen-Offensive: die Zucht, Ausbürgerung und Neuansiedlung von Störchen, die sich über Deutschland und Frankreich bis nach Schweden ausdehnte. Durch Einkreuzung kaum ziehender nordafrikanischer Störche entstanden semidomestizierte, also nicht mehr vollständig wild lebende Vögel, deren Nachwuchs größtenteils bis Spanien oder Westafrika wandert, während die Altvögel oft auch im Winter bei uns bleiben und gefüttert werden müssen.  

Hauptursache für den Rückgang und das gebietsweise Aussterben der Störche war die dramatische Nahrungsverknappung infolge zunehmender Verschlechterung der Wiesensituation: Rückgang von Weiden, Umbruch von Wiesen in Äcker, zumeist für Maisanbau, Trockenlegung von Feuchtgebieten, häufigeres Mähen mit effektiveren Maschinen und intensivere Düngung. Alle diese Maßnahmen haben das Nahrungsspektrum für Störche an Fröschen, Schlangen, Großinsekten wie Heuschrecken u. a. sehr stark reduziert. Mit dem Populationsrückgang, in erster Linie bedingt durch Nahrungsmangel, ging auch der Fortpflanzungserfolg zurück: bei uns von durchschnittlich 2,8 Jungen pro Paar 1959 über 2,3 Junge 1979 auf gerade noch etwa 1,6 heutzutage – viel zu wenig, um damit Storchenpopulationen auf Dauer zu erhalten. Und bei dem derzeitigen geringen Nahrungsangebot bringen Störche bei uns ihre zumeist 1-2 Jungen auch nur dann durch, wenn nicht Schlechtwettereinbrüche wie im letzten Jahr am 29. Mai zum Absterben von Nestlingen in großen Gebieten führen – 2007 vom Raum Salem bis in weite Teile Bayerns. 

Diesem letztjährigen Storchensterben verdanken wir wahrscheinlich unser diesjähriges Brutpaar. Es tauchte 2007 unmittelbar nach den Brutverlusten hier auf, bezog den bereitgestellten Horst, auf dem Anfang Juni noch kopuliert wurde, aber für eine (erneute) Brut bei uns war es letztes Jahr offenbar zu spät. Aber heuer hat es geklappt. Das Paar stellte sich hier Ende Februar ein, besetzte Anfang März den Horst und begann Ende März mit der Eiablage. Am Sonntag, dem 27. April, sind dann die Jungen geschlüpft – drei an der Zahl, wie man inzwischen gut erkennen kann.  

Ostern gab es zunächst noch eine „Zitterpartie“ – den Nachwintereinbruch, mit ganztägigem Schneetreiben am Karfreitag und einer geschlossenen Schneedecke am Ostersamstag. Zum Glück hatten unsere beiden Adebare am Gründonnerstag eine eigens für sie eingerichtete Futterstelle angenommen, an der sie seither dreimal täglich mit Eintagsküken (die in Geflügelzuchtbetrieben anfallen und v. a. zur Fütterung von Zootieren verwendet werden) und kleinen Fischen versorgt werden. Zufütterung sollte heute eigentlich Pflicht sein, da ein Storchenpaar mit mehreren halbwüchsigen Jungen am Tag ca. fünf Kilogramm Futter braucht, das in unserer Zeit kaum noch zu beschaffen ist – selbst wenn sich ein Feuchtgebiet wie der Sielmann-Weiher in Horstnähe befindet. Wer gegenwärtig Kunsthorste in die Landschaft stellt, damit Störche anlockt und dann einfach nur zusieht, wie sie – hoffentlich – durchkommen werden, verstößt streng genommen gegen das Tierschutzgesetz. Damit verhält man sich etwa so, als würde man seinen Hund täglich für einige Stunden ins Freie schicken und ihm zumuten – da er ja vom Wolf abstammt – sich gefälligst seine Nahrung selbst zu beschaffen, wofür die Voraussetzungen heutzutage jedoch nicht mehr gegeben sind.  

Hoffen wir, dass unsere Störche bei guter Versorgung weiter wachsen und prächtig gedeihen und dass gegen Ende Juni kräftige Junge zum Ausfliegen kommen. Bis dahin lassen sich vielleicht auch noch mit dem Fernrohr die Ringe der beiden Altstörche ablesen, die wohl als nestjunge Vögel beringt wurden und sowohl aus Süddeutschland als auch aus einem Nachbarland stammen können.

Peter Berthold

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