Gemeinderat

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Di., 18.12.2018

18:00 Uhr

 

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Wissenswertes vom Heinz-Sielmann-Weiher (28)

Heute – zeitgemäß – einiges Grundsätzliche zu unseren Fröschen, Kröten, Unken und Molchen, also den Lurchen oder Amphibien – jenen Wirbeltieren, die sowohl zu Wasser als auch zu Lande leben können...

Das amphibische Verhalten ist jedermann von den Fröschen bekannt: Die Kaulquappen leben als Jugendform zunächst mit Kiemen wie Fische im Wasser, während später die Jungfrösche mit Lungen vielfach zum Landleben übergehen. Heuer – als typisches Anzeichen der Klimaerwärmung – tauchten die ersten „Krotten“ in unseren Gärten und Wiesen bereits früh im Februar auf – wenn auch in der kühlen Luft noch etwas träge. Kugelig gedrungen, weitgehend einheitlich graubraun, mit warzig-drüsiger Haut und goldfarbenen Augen – das ist die Erdkröte, die einzige Krötenart in unserer näheren Umgebung. Ist die Haut glatt, ebenfalls braun, aber deutlich dunkel marmoriert, bei mehr schlanker Gestalt – dann handelt es sich um unseren häufigsten echten Frosch – den Grasfrosch. Wir finden ihn – ähnlich wie die Erdkröte – in allen möglichen Lebensräumen von Hausgärten über Wiesen, Felder, Feuchtgebiete bis in Laub- und Nadelwälder. Er produziert die typischen Froschlaich-Klumpen, die wir zeitig im Jahr – heuer schon Anfang März – in Gräben, Tümpeln oder auch größeren Pfützen finden, während die Erdkröten ihren Laich in Schnüren an Wasserpflanzen anheften.  

Der Grasfrosch gehört zusammen mit dem weniger häufigen Springfrosch (mit sehr langen Hinterbeinen, bei uns im Tal noch nicht nachgewiesen) und dem seltenen Moorfrosch (der z. B. in oberschwäbischen Mooren vorkommt), zu den sogenannten Braunfröschen. Ihnen gegenüber stehen die eng ans Wasser gebundenen Grünfrösche. Hiervon ist der für uns wichtigste der Teichfrosch – landläufig auch als Wasserfrosch bezeichnet, der zu Hunderten in unserem Weiher und den benachbarten Gräben lebt, wo die Männchen feste Reviere bilden. Erst sehr genaue wissenschaftliche Untersuchungen haben zu der erstaunlichen Erkenntnis geführt, dass der Teichfrosch gar keine eigenständige Tierart ist, sondern immer wieder als Bastard aus zwei anderen Arten entsteht: dem Seefrosch und dem kleinen Wasser- oder Tümpelfrosch, die als Ausgangsformen natürlich beide auch in unserer Region vorkommen. Die Bastardform zeichnet sich durch besonders hohe Vitalität aus.  

Bleiben noch einige weitere Frösche anzufügen, davon an erster Stelle der Laubfrosch. Er ist mit meist einheitlich blattgrüner Färbung der eigentliche „Grünrock“, gehört aber nicht zu den (durchweg marmorierten) Grünfröschen, sondern zur artenreichen Gruppe der Laubfrösche (mit über 200 v. a. tropischen Arten). Auch die krötenähnlichen relativ kleinen Unken sind bei uns vertreten – in Süddeutschland mit der Gelbbauchunke. Sie verdankt ihren Namen der grau und gelb gefleckten Unterseite, die bei Gefahr mit dieser „Warntracht“ präsentiert wird. Wir finden sie im Bodensee-Hinterland, so z. B in der Tongrube bei Großschönach. Zur Gruppe der Froschkröten gehört die seltsame Geburtshelferkröte. Sie heißt so, weil die Männchen die Laichschnüre bis zum Schlüpfen der Kaulquappen auf dem Hinterrücken mit sich herumtragen und so eine gewisse Brutpflege betreiben. Diese wegen ihres wunderschönen Rufes auch „Glockenfrosch“ genannte Art ist bei uns sehr selten geworden – bis in die 1950er Jahre kam sie noch in einer Tongrube bei Radolfzell vor. Als letztes seien auch noch kurz die Ochsenfrösche erwähnt – sehr große Frösche verschiedener Familien, deren Ruf an das Brüllen von Rindern erinnert. Im Rheintal z. B. hat sich der Nordamerikanische Ochsenfrosch ausgebreitet und ist dort wenig beliebt, weil er u. a. andere Amphibien verdrängt und selbst junge Wasservögel frisst. Entsprechendes gilt für den osteuropäisch-asiatischen Seefrosch, der zunehmend unseren westlichen Seefrosch verdrängt – z. B. in Bayern – und neben Fischen auch junge Vögel bis hin zu Küken von Seeschwalben verzehren kann. Unsere Froschwelt im Bereich des Sielmann-Weihers wird davon wohl noch längere Zeit verschont bleiben.  

Auch wenn bei uns von den fast 5000 Froscharten der Welt nur weniger als 10 in der näheren Umgebung vorkommen und nur 3 recht häufig sind, spielen sie im Naturhaushalt dennoch eine große und wichtige Rolle: zum einen als Vertilger vieler „Lästlinge“ wie v. a. von Stechmückenlarven und zum anderen als wichtige Nahrungsgrundlage für viele Fische, aber auch für Ringelnattern und viele Vögel wie z. B. unsere Störche, aber auch Reiher, Milane u. a.  

Bleibt noch ein abschließender Satz zur zweiten großen Gruppe der Amphibien – den Schwanzlurchen: Sie sind bei uns im Weihergebiet bisher nur durch eine Art vertreten – nämlich den Bergmolch, der v. a. durch seine leuchtend orangefarbene Unterseite auffällt. Im Gebiet des Heinz-Sielmann-Weihers leben inzwischen um die hundert Laubfrösche, v. a. im Gebiet der Froschtümpel, Flachwassermulden und benachbarten Grabenbereiche.

Peter Berthold

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