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Wissenswertes vom Heinz-Sielmann-Weiher (27)

Billafinger Mitteilungen Samstag, den 26. Januar 2008

Januar – Zeit für eine weitere Bilanz, dieses Mal für das Jahr 2007 und nun schon 3 Jahre Weiher-„Geschichte“. Wiederum hat uns der Weiher mit seinem attraktiven Umfeld neue Vogelarten beschert – in 2007 nicht weniger als 8: Höckerschwan, Knäk-, Schell- und Spießente, Rohrweihe, Wiedehopf, Drosselrohrsänger und Uferschwalbe. Damit hat sich die Anzahl der im Bereich von Billafingen registrierten Vogelarten von der Vor-Weiherzeit (bis 2004) bis heute von 115 auf 153 erhöht (s. Grafik). Besonders erfreulich ist, dass sich im Weihergebiet insgesamt 9 neue Brutvogelarten, z. T. bereits regelmäßig brütend, etabliert haben, nämlich: die Graugans, 2007 1 Brutpaar, das 6 Junge aufzog; Kolbenente (Brutvogel 2006); Graureiher, 2006 und 2007 1 Brutpaar in der näheren Umgebung; Schwarzmilan – wie Graureiher; Bläßhuhn, Teichhuhn und Wasserralle, alle 3 seit 2006, künftig wohl als regelmäßige Brutvögel zu werten, 2007 10 bzw. je 3 Brutpaare; Teichrohrsänger, seit 2006 etabliert, 2007 ca. 8 Brutpaare; Schwarzkehlchen, unser seit 2005 brütender „Wappenvogel“, 2007 mit 3 Brutpaaren, wobei im Frühjahr bis zu 5 Männchen anwesend waren (3 konnten beringt werden). Insgesamt sind 2007 110 Vogelarten im Weiherbereich beobachtet worden - 6 mehr als im letzten Jahr, wovon 62 Arten gebrütet haben und 48 als Durchzügler oder Gäste anwesend waren. Eindrucksvoll waren an manchen Tagen im Winter und Herbst die großen Ansammlungen von Stockenten mit Tageshöchstsummen von über 100 Vögeln. Besonders erfreulich ist, dass sich seit dem Sommer regelmäßig ein Eisvogel im Weihergebiet aufgehalten und erfolgreich gefischt hat. Für ihn werden wir im Laufe der Zeit eine Brutmöglichkeit schaffen. Zur Zeit überwintern etliche Wiesenpieper im Gebiet, leider heuer kein Raubwürger. Seit dem 8. Januar kommen unsere 8 Graugänse regelmäßig zum Weiher, als könnten sie es kaum erwarten, dass das Eis auftaut und die neue Brutsaison beginnen kann. Hoffen wir, dass von den vielen Störchen, die letztes Jahr im Talgrund waren, einige ähnlich Sehnsucht verspüren, bei uns zu brüten.
Anfang Februar konnte hinter dem östlichen Weiherende die Flachwassermulde auf 30 x 20 m vergrößert werden, und sie ist inzwischen ein beliebtes Aufenthaltsgebiet für Bekassinen, Zwergschnepfen, Wasserrallen, Krickenten, Wiesenpieper u. a. Eine (beringte) Bekassine hat sich dort von September bis Oktober etwa einen Monat lang ihren Mauserplatz eingerichtet. Für die Erweiterung der Flachwassermulde und sonstige Pflege- und Verbesserungsmaßnahmen sind 2007 insgesamt 8000 Euro wiederum aus Mitteln meines Tätigkeitsbereichs aufgebracht worden, die sich seit 2005 auf nunmehr über 85000 Euro aufsummieren.

Die Bilanz unserer Vogelwelt im Weihergebiet ist also erfreulich positiv, wobei man allerdings nicht übersehen darf, dass uns auch ein noch so schönes Gewässer mit Umland viele der in weiten Gebieten verschwundenen Arten nicht zurückzubringen vermag wie z. B. Kiebitz, Rebhuhn, Braunkehlchen, Schafstelze, Zwergdommel u. a. Aber immerhin lassen sich stark gefährdete Arten wie Teichhuhn, Wasserralle, Rohrsänger u. a. unterstützen und in weiteren Bausteinen des Biotopverbunds Bodensee hoffentlich auch stabilisieren.
Noch besser als bei den Vögeln sieht es bei den Pflanzen, Amphibien und Wirbellosen wie Spinnen und Insekten aus. Die Anzahl der höheren oder Blütenpflanzen-Arten hat sich von rund 220 in 2006 auf etwa 300 in 2007 erhöht, wobei die meisten Arten durch Aussaat oder Anpflanzung hinzugekommen sind. Auf ihre Besonderheiten muss in späteren Berichten näher eingegangen werden. Von den drei häufigsten Froscharten sind von Gras- und Wasserfrosch sowie Erdkröte Tausende von Jungfröschen produziert worden, so dass an manchen Tagen zwischen den Gebotstafeln bei den großen Pappeln und jenen Richtung Sportplatz allein auf dem Hauptweg über tausend „Zwerghüpferlinge“ (v. a. junge Erdkröten) unterwegs waren. Kein Ruhmesblatt, dass an einem solchen Tag ein sogenannter „Naturfreund“ mit seinem breitbereiften Geländewagen zum Weiher fahren
musste ...
Auch bei den Reptilien gibt es Fortschritte: Aus dem Stockacher Schwimmbad erhielten wir 5 junge Ringelnattern, die an der o. g. Flachwassermulde ausgesetzt wurden, wo sie einen Haufen aus Pflanzenmaterial zur Eiablage bekommen. Von den Wirbellosen seien nur die Hunderte von Wespenspinnen genannt (s. Bericht Nr. 25), die bis um die Sitzbänke herum nicht nur Alt und Jung erfreut, sondern uns mit ihren Netzen auch einen prächtigen Altweibersommer beschert haben. Von den vielen Libellen und Faltern sei eine Rarität genannt: ein Exemplar des Schmetterlings „Kleiner Eisvogel“ (Limenitis camilla) am Hauptweg. Zum Schluss Dank zum einen an unseren Bisam, der die Wasserflächen von Weiher und Froschtümpel erfreulich freihält von übermäßigem Rohrkolben-Aufwuchs und zum anderen an die ganz überwiegende Mehrzahl von Besuchern, die sich im Weihergebiet sehr rücksichtsvoll und verantwortungsbewusst verhielt. Entsprechendes wünschen wir uns auch für die Zukunft, einschließlich ungetrübter Freude für Schlittschuhläufer, wobei sicher einige „Pioniere“ vorsichtiger vorgehen sollten als zum Jahreswechsel zu beobachten war. Wenn jemand an einer der tiefen Stellen im Eis des Weihers einbricht ist fraglich, ob ihm dann die gut gemeinte Leiter am Graben noch die angedachte Hilfe bringen kann.
Ganz zum Schluss eine – zugegebenermaßen – etwas abwegige, aber nicht uninteressante Überlegung: Man stelle sich vor, jede Gemeinde im Land – also Hohenfels, Stockach oder Überlingen usw. – würde sich einen Weiher wie den unseren einrichten – was das für einen Aufschwung für unsere gebeutelte Natur ergeben würde! Die Mittel dafür wären bei entsprechender Prioritätensetzung sicher aufzubringen. Die Wirklichkeit wird bescheidener ausfallen, aber dennoch: Für 2008 steht auf dem Panier
Ausbau und ökologische Aufwertung des Eisweihers in Stockach – ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt zusammen mit Plenum und der Heinz Sielmann Stiftung.

Peter Berthold

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