Gemeinderat

Die nächste öffentliche Gemeinderatssitzung findet im Bürgersaal des Rathauses Owingen statt

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Di., 10.07.2018

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News :: Infos

Wissenswertes vom Heinz-Sielmann-Weiher (25)

Samstag, 22. September 2007, Owinger Ortsnachrichten, Billafinger Mitteilungen von Ortsvorsteher Karl Barth

Der Herbst zieht ins Land – und mit ihm gibt es wieder viele Veränderungen am Weiher. Die Blütenpracht von über 230 Arten von Kräutern, Stauden und Gehölzen, die heuer geblüht haben, geht nun rasch zur Neige, ein Großteil der Brutvögel ist abgezogen, Amphibien und Insekten ziehen sich zurück, und an die vielen Wespenspinnen, die dieses Jahr zu sehen waren, werden bald nur noch die mit Tautropfen behängten Netze des Altweibersommers erinnern. Wespenspinnen sind typische Anzeiger der Klimaerwärmung: Sie haben sich in den letzten Jahrzehnten von Südeuropa aus bis ins nördliche Europa ausgebreitet.

Die farbenprächtigen, exotisch anmutenden Wespenspinnen werden ihrer  Zeichnung wegen auch Zebraspinnen und aufgrund ihres Verhaltens auch  Zitterspinnen genannt.
Die farbenprächtigen, exotisch anmutenden Wespenspinnen werden ihrer
Zeichnung wegen auch Zebraspinnen und aufgrund ihres Verhaltens auch
Zitterspinnen genannt.

Der heutige Bericht ist vor allem einem interessanten Säugetier gewidmet, das inzwischen viele zumindest kurz gesehen haben, aber nur wenige richtig einzuordnen wissen – der Bisam. Meistens sieht man ihn irgendwo tief im Wasser liegend schwimmen, bevor er rasch wieder abtaucht. Hier sein Steckbrief: Mit bis zu etwa 35 cm Rumpflänge, einem rund 25 cm langen Schwanz und bis zu 1,5 kg Körpergewicht erreicht die Bisam-„Ratte“, die tierordnungsgemäß zu den Wühlmäusen gehört, die Größe eines Wildkaninchens. Dementsprechend wird der äußerst schmackhafte Bisam in seiner Heimat – Nordamerika – als „Sumpfkaninchen“ gehandelt. Das Hauptinteresse gilt jedoch seinem Pelz, z. T. auch den analen Moschusdrüsen (für die Parfümindustrie). Seines wertvollen weichen kastanienbraun glänzenden Felles wegen wurde der Bisam seit 1905 zunächst in Tschechien, später auch von Schottland über Skandinavien bis nach Ostasien eingebürgert. Inzwischen hat er sich in ganz Mittel- und Nordeuropa und in weiten Teilen Asiens ausgebreitet – von der Tundra bis in die Wüsten Kasachstans. In manchen Gebieten Asiens nimmt er in der Pelzindustrie den ersten Platz ein, und z. B. in Jakutien werden inzwischen jährlich rund 1/2 Mio freilebende Individuen erlegt.  

Mit seinem im Sitzen plump-gedrungen Körper erinnert der Bisam an einen kleinen Biber, von dem er sich jedoch durch einen seitlich abgeplatteten, oben und unten scharfkantigen Ruderschwanz unterscheidet, während Biber bekanntlich einen breit-flachovalen Schwanz besitzen. Und der aus Südamerika stammende Nutria oder Sumpfbiber hat einen drehrunden Schwanz.  

BisamDer Bisam ist zwar nacht- und tagaktiv, taucht aber tagsüber oft nur in der Dämmerung auf. Da er unauffällig schwimmt, ist er zudem leicht zu übersehen. Weil er seine Baue häufig unterirdisch in Uferböschungen anlegt, wird er vielerorts als Unterminierer von Dämmen und Deichen durch Bisamjäger bekämpft – bei seiner Vermehrungsfreudigkeit keine einfache Angelegenheit. In unserer ebenen Tallage ist der Bisam als meist reiner Pflanzenfresser ausgesprochen nützlich und hilfreich. Wie schon im Bericht 23 mitgeteilt, bewahrt dieser „Gemeindearbeiter zum Nulltarif“ die Ufersäume unseres Weihers und die Gräben vor übermäßigem Rohrkolben-Bewuchs. Untrügliche Anzeichen für seine Anwesenheit sind abgebissene Teile größerer Wasserpflanzen – bei uns Rohrkolben, von denen er die unteren zarten weiß-hellgrün nachschiebenden Blattteile frisst.  

Der Bisam ist in unserem Bereich kein Neubürger – er wird am Kaisergraben schon seit Jahrzehnten beobachtet und wurde dort früher auch schon erlegt. Aber er ist nun sicher gern in den Weiher und in die pflanzenreichen neuen Gräben umgezogen, wo er uns viele interessante Beobachtungen beschert.

Geräuschlos und tiefliegend schwimmend wird der Bisam oft übersehen, aber man entdeckt ihn, wenn man sorgfältig auf Kräuselungen der Wasseroberfläche achtet.

Peter Berthold

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